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Richard Frase

Das große Waldgebiet im Kreise Schlochau

In der Richtung von NO nach SW erstreckt sich durch den n. Teil des Kreises Schlochau, etwa parallel zur Provinzgrenze und von dieser etwa 5 bis 10 km entfernt bleibend, ein großes Waldgebiet, das mit einer durchschnittlichen Breite von 10 km und einer Länge von beinahe 40 km die größte zusammenhängende Forst unserer Provinz bildet. Sie steht auf dem großen Sandergebiet, das sich s. der pommerschen Endmoräne ausbreitet, die ungefähr mit der Provinzgrenze von Gr. Peterkau nach Baldenburg zu verläuft. Wenngleich die Forsten - es handelt sich, wie eingangs schon erwähnt (S. 2), um die Oberförstereien Eisenbrück, Schulzenwalde, Bäreneiche, Pflastermühl, Zanderbrück, Demmin, Hammerstein und Landeck - hauptsächlich aus Kiefernwald bestehen, so bilden sie keineswegs jene trostlosen Einöden, die man dem Kiefernwalde nachsagt. Die Wanderer werden angenehm überrascht sein von der Fülle von Naturschönheiten und dem Reichtum an Naturdenkmälern, die sich neben der abwechslungsreichen Bodengestalt hauptsächlich aus der geringen Berührung der Natur durch den Menschen erklären lassen. Die zahlreichen Seen im ö. Gebiet mit ihrer reichen Vogelwelt, die oft tief durch den Sander bis in die diluvialen Mergelböden eingenagten Flußtäler (Brahe, Moderfließ, Düstere Springe, Hammerfließ u. a.) und die an seltenen Pflanzenarten reichen Moore werden dem Wanderer reiche Abwechselung bieten. Um dieses schöne Gebiet für Wanderungen zu erschließen, ist allerdings die Einrichtung einer Jugendherberge, wenigstens einer Bleibe in Neubraa oder Eisenbrück notwendig.

Prechlau.

Marktflecken mit 2 000 E., davon 2/5 ev., 3/5 kath. Photohandlung, Drogerie und Apotheke am Ort. Das Dorf bestand schon lange vor der Ordenszeit. 1350 erhielt der Ort seine Handfeste (Ulrich von Lichtenberg, Dorfherr zu Prechlau), die 1377 dem Heyne Carbow erneuert wurde. Jugendherberge im Gemeindehause. 2 Schlafräume mit 20 Betten.

Von Prechlau aus hat der Wanderer Gelegenheit, landschaftlich schöne Gebiete zu durchwandern und zahlreiche seltene Naturdenkmäler zu beobachten. Hingewiesen sei besonders auf die Wanderungen im Brahegebiet S. 46 und dem Moränengelände von Elsenau-Rittersberg. (Wanderungen s. auch unter Schlochau).

1. Prechlau - Hammerfließ - Flötenstein (23 km).

Nach 3 km Marsch auf der Flötensteiner Chaussee 1. ab nach Voßberg. Der Landweg führt an dem r. gelegenen kleinen Faulen See vorbei über die Brahe (l. der Czikeikensee) zum "Hohen Voßberg", einer vom Hammerfließ und der Brahe und einem Sumpfgelände begrenzten burgwallartigen Höhe. Südlich vom Voßberg stark entwässertes Gebiet mit kleinem Tümpel: Zwischenmoor mit Sumpfporst, scheidigem Wollgras, Sonnentau u. a. 1 km w. liegt Eisenhammer (7 km), das vom Hammerfließ durchflossen wird, l. am Eingang des Dorfes der Buchberg.

Waldweg auf dem r. Ufer des Hammerfließes, nach 2 km w. die Obf. Pflastermühl. Wir kommen s. der Obf. auf die Chaussee; nahe w. der Chaussee auf dem Wiesengelände am Hammerfließ steht eine selten schön gewachsene Stieleiche. In w. Richtung am Eulenort Jg. 57 h vorbei nach Fö. Fahlbruch und dann nach Fö. Kaltfließ. In nw. Richtung führt ein Waldweg nach dem Suckausee; nö. von diesem tritt das Hammerfließ aus seinem wild romantischen Durchnagungsgebiet, in welchem es sich s. von Hammermühle tief in das Diluvialgelände eingewaschen hat. Von Hammermühle (16 km) führt ein Landweg über Hammer (18 km) nach Flötenstein (28 km).

2. Prechlau - Fortbrück - Flötenstein (20 km).

Chaussee nach Flötenstein: Nach 3 km Weg hat man von der Höhe 162, über die die Chaussee führt, einen prächtigeren Rundblick: Im N und W das große Waldgebiet hinter dem Brahetal und der tiefen Rinne des Dolgensees, in sw. Richtung die Höhen von Rittersberg. 500 m ö. der Brahe geht r. von der Chaussee ein Waldweg ab (auf diesem l. halten) nach Fortbrück. Im Jg. 38, der jetzt kahlgeschlagen ist und eine Schonung trägt, liegen zerstreut 8 Erdhügel von etwa 1 m Höhe und 8-10 m Durchmesser, die auf dem Meßtischblatt als Hünengräber bezeichnet sind. Es handelt sich hier um Hügelgräber, die in ihrem Innern unter Feldsteinpackungen Steinkistengräber enthalten. Künftige Grabungen werden über das Alter dieser Begräbnisstätten Aufschluß geben. Vom Rande des Kahlschlages am hohen Hange hat man einen sehr schönen Blick in das wie von einem stark gewundenen Silberstreifen durchzogene Brahetal. Der Waldweg führt l. auf die Chaussee nach Fö. Fortbrück. 200 m w. von der Fö. biegen wir von dem breiten Waldweg ab nach N bis zum Moderfließ. An seinem r. Uferhange aufwärts. Das Tal verengt sich in dem Jg. 72, besonders aber 90 und 91, wo das Moderfließ sich tief in den Geschiebemergel eingenagt und gebirgsbachartigen Charakter angenommen hat. Auf den zahlreichen Steinen im Flußbett die für solche schnellfließenden Gewässer charakteristischen blutroten Flecken der seltenen Rotalge Hildenbrandia rivulare. Die mit alten Eichen, Tannen und Kiefern bestandenen Hänge sind sehr steil und schwer begehbar. Wo das Engtal sich erweitert und für Wiesenflächen Raum läßt, mündet die Düstere Springe, die weiter oberhalb ebenfalls schöne Talbilder zeigt. Wir wandern von der Einmündungsstelle den Jagenweg 98/91 sw. bis zur Chaussee und auf dieser nw. nach Bölzig (14 km). Das Dorf brannte im Jahre 1924 zum großen Teil ab, ist aber wieder aufgebaut worden. Chaussee nach Flötenstein (20 km).

3. Die Brahe

Die Brahe tritt aus dem Deeper See zwischen Kl. Peterkau und Schulzenwalde in grenzmärkisches Gebiet und durchfließt die großen Forsten des ö. Kreisteiles. Nachdem sie den Gr. und Kl. Ziethener-See und Konzugsee durchflossen hat, verläßt sie unterhalb von Sampohl grenzmärkischen Boden, um als ehemals westpreußischer Fluß nach ihrem landschaftl. reizvollen Lauf durch die Tucheler Heide unterhalb von Bromberg in die Weichsel zu münden. An vielen Stellen wird die Brahe von Steilhängen begleitet, die mit Kiefernmischwald bestanden sind und eine üppige, artenreiche Bodenflora tragen. Besonders hingewiesen sei auf den r. Steilhang von Pflastermühl bis Schönthal mit der einzigartigen Kormorankolonie bei Pagdanzig (S. 42), die Partien zwischen Neubraa und Fortbrück, besonders Jg. 109, 110 und 87, 88; diese Teilstrecken seien Wanderern besonders empfohlen. Von Prechlau und Flötenstein aus hat man Gelegenheit, bis Neubraa die Bahn zu benutzen und nun flußauf oder abwärts zu wandern. Man berücksichtige auch die herrlichen Waldseen. Vorgeschlagen sei folgender Weg:

4. Neubraa - Altbraa-Schneidemühl - Flötenstein (27 km).

Von Neubraa (Walddorf mit schönem Gutspark, Holzverladeplatz) nach dem Gr. Lepzinsee (Westufer). Von N her schiebt sich eine bewaldete Landzunge vor und trennt w. den Kl. Lepzinsee ab. Auf dem Westhange dieser Halbinsel überragt die ehemals stärkste Kiefer Westpreußens (früher 3,55 m Umfang, jetzt 3,10 m) einen Kiefernstangenwald. Der Baum ist durch den Raupenfraß eingegangen, und es ist eine Frage der Zeit, wie lange der bis 20 cm tief morsche Stamm den Stürmen trotzen wird. Am Nordufer des Kl. Lepzinsees ein bemerkenswertes Torfmoosmoor mit Sumpfporst, Krähenbeere, Moosbeere und Sonnentauarten. Zurück über Eisenbrück, an der forellenreichen Braa gelegen, nach dem Sahlonensee und Altbraa-Schneidemühl (15 km). Von Altbraa-Schneidemühl nach Flötenstein wähle man einen Waldweg, der über Fö. Wüsthof in sw. Richtung nach den bei der gleichnamigen Fö. gelegenen schönen Röske-Seen und dann über Grenzort nach Flötenstein (27 km) führt.

Das nördliche Grenzgebiet

Zwischen den NW-Zipfel des Kreises (Baldenburg) und die große Waldzone im O schiebt sich von der pommerschen Grenze her ein ziemlich waldarmes Landbaugebiet, das jedoch keineswegs zu den gesegneten Fluren unserer Provinz gerechnet werden kann, denn der "Weizen", der hier angebaut wird, ist nur Buchweizen. Es ist ein Teil des großen Sanders, der sich vor der baltischen Endmoräne nach S hin ausbreitet und um Flötenstein landwirtschaftlich genutzt wird, während er im angrenzenden Teil die großen Forsten des Kreises trägt. Für den Wanderer bietet aber auch dieser Teil sehr oft recht reizvolle Landschaften, besonders auf der pommerschen Grenze.

Der Marktflecken Flötenstein, heute etwa 1 800 E., davon über 3/4 kath., erhielt 1356 vom deutschen Ritterorden seine Handfeste. Der Dorfname heißt in älteren Urkunden Vlisenstein-Fließenstein, wahrscheinlich nach dem Hammerfließ so genannt, auch Flettenstein, seit 1800 Flötenstein (schon vor 1800). Im Dorf stehen noch einige alte Bohlenhäuser, in einem Hause über dem Eingang eine Balkeninschrift "Ich Michel Semrau Baue diß Hauß. Gott gesegne alles was da gehet ein und aus, für feuer und aller Noth bewahre uns der Liebe Gott. Anno 1750, dem 13. Juny."

Ein anderes Bohlenhaus von 1774 (die damalige Schule), hat einen schönen Mosaik-Holzgiebel. Einige alte Leute betreiben noch die hier früher in Blüte stehende Splittreißerei.

Im Ort Arzt, Drogerie mit Photohandlung. Vom Caritasverband ist ein neues Wohlfahrtshaus errichtet worden. [...]

1. Flötenstein - Gr. Peterkau (20 km).

Weg zu den Siedlungen "Am Dümensee", dann r. ab zum bewaldeten Ufer an der Südspitze des Dümensees. Der See hat vorzüglichen sandigen Badestrand. Umgehung des fast 3 km langen Sees auf den unbewaldeten Ufern möglich. Wir gehen von der Südspitze ostwärts in der Richtung auf die Windmühle über die Höhe 166 (schöner Blick auf das Dorf) bis zum Starsener Landweg und diesen dann nordwärts. Der Weg ist mit Kiefern bepflanzt, die als Straßenbaum recht eigenartig wirken. Wir kommen über die Höhe 179 (schöner Fernblick) durch Buch"weizen"felder und Kiefernwaldparzellen nach dem Dorf Starsen (10 km), S. 49. Am s. Steilhang des Starsener Sees über die Chaussee zum Deeper See - Steinfort (18 km) - Gr. Peterkau (20 km). Zurück über Kl. Peterkau nach Flötenstein (32 km).

2. Flötenstein - Starsen - Darsener-Mühle - Darsen - Lanken (18 km).

Wie vorhergehende Wanderung nach Starsen. Von Starsen in westlicher Richtung über die Höhen nach Darsener Mühle. Herrliches Landschaftsbild! Auf dem Schulsteig zurück nach Darsen. (Wand. 3). Von der Höhe bei der Fö. schöner Blick über den Dorfsee hinweg auf seine z. T. bewaldeten Steilhänge. Am S-Zipfel des Dorfsees führt l. ein Weg nach der Fortsetzung der Seenrinne, dem Glamkensee und den Schliepseen. Der Landweg dagegen geht über die Höhe 183 und gewährt beim Gehöft Abb. Lanken (Richter) einen prächtigen Blick über den Reinfelder See. Nach S Weg nach Lanken (18 km), Dorf mit zahlreichen Blockhäusern, Handfeste von 1354. Vor dem Gehöft des früheren Freischulzenhofes schöner Baumbestand von Ahorn und Linde. Landweg nach Flötenstein (22 km).

3. Von Reinfeld i. P. nach Gr. Peterkau

Reinfeld (Bh.) sowohl von Baldenburg als auch von Flötenstein aus zu erreichen, liegt zwischen dem Kl. und Gr. Dorfsee. Wir wandern am NO-Hange des Gr. Sees über die Hochfläche nach Darsen (4 km, Handfeste von 1374) mit seinem tief eingesenkten, von teilweise bewaldeten Ufern umgebenen Dorfsee. Auf dem alten Friedhof schöner Baumbestand, darunter eine mächtige, stark verzweigte Linde von 6,35 m Umfang. Von Darsen die breite Drift nordwärts oder den Schulsteig nach Darsener Mühle. Von den Höhen herrliche Blicke westwärts nach dem Stüdnitzsee und den mit Buchen bestandenen Steilhängen, ostwärts in das schöne Fließtal. Auf der Höhe führt ein Feld- und Landweg nach Starsen (9 km). Das Dorf liegt auf dem hohen Südsteilhang des Starsener Sees. Alte, schindelgedeckte Holzkirche. Wanderung am Steilhang des Starsensees zum Deeper See, der mit seinem s. Teil zur Grenzmark gehört. Am SW-Ufer des Deeper Sees nach Schulzenwalde, Weg über die Brahe nach Kl. Peterkau. Am Zemminsee vorbei nach Gr. Peterkau (18 km); massive Kirche von 1628.

Von Gr. Peterkau hat man Gelegenheit, mit der Bahn von dem 5 km entfernten Reinwasser nach Rummelsburg oder Baldenburg zu fahren. Auch ist von hier aus auf einer Wanderung über Reinwasser, Gloddow, Kremerbruch, Endmoränengebiet von Gr. Tuchen (sö. der Schimmritzberg, mit 256 m die höchste Erhebung Pommerns), Damsdorf am Borre-See und Hygendorf, das durch seine Jugendburg bedeutende Bütow (etwa 30 km) zu erreichen. Die Kreisstadt Bütow (9 000 E.) liegt im engen, von steil aufsteigenden Höhen begleiteten Tal der Bütow. Das Wahrzeichen der Stadt ist die 1390 bis 1406 unter dem Hochmeister Konrad von Jungingen erbaute Ordensburg. Die in ihr eingerichtete Jugendherberge umfaßt 2 Schlafräume mit 30 Betten und 3 Tagesräume. Lohnende Ausflüge in die reizvolle Umgebung der Stadt.

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