Biblioteka Koczalska - Floetensteiner Bibliothek

www.koczala.hiazintus.com 


Texte

August Blanke

Gr. Peterkau

Das nördlichste Dorf des Kr., 2 km vom Korridor und ebensoweit von der pommerschen Grenze entfernt. Hügel-, Steinkistengräber, Urnenfunde und Burgwälle an dem nahen Zemin- und Doepersee bezeugen, daß die Gegend schon vor Christi Geburt bewohnt gewesen ist.

Zur Ritterzeit erhielt der Ort eine Handfeste, die jedoch verloren ging. Unter poln. Herrschaft wurde Peter Gotberg, von dem wahrscheinlich der Name stammt, Besitzer des Dorfes. Die Familienchr. seines Geschlechts berichtet, daß er als Sohn eines Goldschmieds aus Stargard (Pom.) mit 18 Jahren in schwedische Kriegsdienste trat, dann nacheinander im poln. und deutschen Heere kämpfte, im letzteren 1592-95 gegen die Türken. Bei Gran streckte er einen türkischen Führer nieder, wurde zum Hauptmann und bald zum Obersten befördert und nach dem Krieg zum Kommandanten von Lauenburg ernannt, wo er sich scherzweise "Satrap von Leopolis" nannte, weil der Name dieser Stadt von leo (Löwe) abgeleitet sein soll. Dann trat er in diplomatische Dienste des Herzogs von Pommern, reiste wiederholt nach Warschau, einmal, um ein dem Polenkönig vom Herzog gewährtes Darlehen von 100000 Fl. zu sichern, ein andermal, um als Vertreter des Herzogs an der Hochzeit des Königs teilzunehmen. Von beiden Fürsten beschenkt und begünstigt, kaufte er etwa 1608 Peterkau. Das war 12000 Mgn. groß und bestand aus Gr. und Kl. Peterkau oder den Anteilen A und B. Als ihm dann 1610 die Gattin starb, ging er als Stadtkommandant nach Danzig, das damals zu Polen gehörte. Auf seinen Rat wurde Neufahrwasser zur Abwehr gegen die Schweden befestigt. 1620 ließ er in Peterkau die Kirche ausbauen, in deren Gewölbe sein Leib 1636 beigesetzt worden ist. Von seinen 13 Kindern überlebten ihn 3 Söhne und 2 Töchter.

Die Söhne machten es ihm in Abenteuerfahrten nach. Der älteste wurde nach Livland verschlagen. Dort wollte er den 30jährigen Krieg noch nach dem Westfälischen Frieden fortsetzen und wurde zu Dorpat enthauptet. Das Erbe übernahm der jüngste, Friedr. Ernst. In Ostpreußen begütert, verkaufte er Gr. Peterkau an den Freiherrn v. d. Goltz, Kl. Peterkau an v. Czapski. Nach 1700 erwarben die Goltzen auch Gr. Peterkau, und von 1735-71 war Paul Boguslaw v. d. Goltz, "Sr. Kgl. Majestät von Polen und Kurfürstlichen Durchlaucht zu Sachsen Obrist Leutnant", Herr des Ganzen. Er verheiratete eine Tochter mit dem Baron v. Rottenhof, der Kl. Peterkau erbte. Der Wald, aus Buchen und Eichen bestehend, und die Mühle standen zur gemeinschaftlichen Benutzung. 1787 wurde v. d. Goltz in den Grafenstand erhoben. Die Gutseinkünfte reichten nicht aus. Deshalb ließ er die von der Kirche stolz behüteten Ritterharnische zu Nägeln, den im Grabgewölbe stehenden Zinksarg, in dem eine poln. Gräfin ruhte, zu Geräten verarbeiten und die Kirchenmauern an verschiedenen Stellen durchbrechen, um den Schatz zu finden, von dem die Sage umging.

Ritterrüstungen aus Gr. Peterkau

Ritterrüstungen aus Gr. Peterkau.

Zuletzt trat er den Besitz seinem Schwager Rottenhof ab, der die Vorwerke: Adamshof, Heinrichshof und Hohenwalde anlegte und 1802 das Gut an den Rummelsburger Landrat Joh. Gottlieb v. Massow verkaufte.

Der ließ 1804 den Dorfsee entwässern, wodurch er eine Wiese von 112 Mgn. gewann. Aber die im Tal zwischen dem Dorf und dem Abbau Hohenstuhl gelegene Wassermühle mußte eingehen, weil das Triebwasser, die kleine Brahe genannt, versiegte. Am Bau der Vorwerke Böttcherswerder und Karolinental hinderte ihn der Tod. Der Plan kam erst während der vormundschaftlichen Verwaltung des Guts (1805-10) zur Ausführung. Dann übernahm es der Major a. D. Friedr. v. Massow. Zu seiner Zeit fand 1822 die Regulierung der bäuerlichen Verhältnisse statt. Der Gutsherr zog 121/2 Bauernhöfe ein, nur in Kl. Peterkau blieben 3 bestehen. 1827 kaufte er vom Fiskus den Döpersee und die pommersche Hälfte des Starsenersees. Aber er mußte auf den Besitztitel solange verzichten, bis die vom Staat in London aufgenommene Anleihe, die die Revenüen dieser Seen verpfändete, ausbezahlt war. 1832 übernahm der Sohn Berthold v. Massow die Gutswirtschaft. Hohenwalde verblieb als Altenteil dem Vater. Dessen Witwe vererbpachtete es an Friedr. Strömer, von dem es an Hofmeyer überging zugleich mit der Fischerei auf dem Kl. Petrikauer und dem Piaschensee.

1853 verkaufte v. Massow das Rittergut an Wilh. v. Sahlfeldt. Damals wohnten dort 95 Familien, darunter 10 Pächter und mehrere Schäfer. Sechs Familien, deren Vorstände am Krieg 1813-15 teilgenommen hatten, waren steuerfrei. Der Ort hatte wöchentlich einmal Postverbindung mit Konitz. Am 12. 7. 1870 wurde die Gegend durch einen furchtbaren Hagelschlag verwüstet. In demselben Jahr brannte Birkenstein fast ganz ab. 1874 erfolgten viele Austritte aus der Landeskirche. 1882 herrschte infolge von Mißwachs eine große Not am Ort; 10 Familien wanderten nach Amerika aus. 1890 fand die Parzellierung von Heinrichshof, 1903 auch die von Gr. und Kl. Peterkau statt. Adamshof und Hohenwalde sind noch selbständige Güter. Birkenstein und fast ganz Heinrichshof fielen an Polen.

Die Kirche, bis 1617 kath., zeigt noch das kath. Gepräge: Figuren, Bilder, Schnitzwerk. Die Wände aus Feldsteinen und ungewöhnlich großen Ziegeln (wie im Burgfried zu Schlochau) weisen auf Entstehung zur Ordenszeit hin. Eine Glocke trägt die Jahreszahl 1500. Die Wetterfahne führt die Zahl 1620. In 4 Fenstern ist das Gotbergsche Wappen, nämlich das des Vaters und seiner 3 Söhne. Auf dem Abendmalskelch sind Gotbergs Name und die Jahreszahl 1628 eingeprägt. An einer Wand hängen einige eiserne Ritterrüstungen. Zum Pfarrverband gehörten 1834 rund 50 Ortschaften mit ungefähr 1000 Seelen. Sie wurden vom Pfarrer aus Schwessin pastoriert. Aber die Grundherren von Peterkau und Darsen verweigerten den Beitrag zum Pfarrhausbau in Schwessin. Dadurch erwuchsen Streitigkeiten, die 1885 durch Gründung der Pfarrei Peterkau-Heidemühl behoben wurden. Letzteres fiel an Polen. Pfarrer: Westphal. Die Katholiken sind nach Flötenstein eingepfarrt (111/2 km).

Die Schule bestand angeblich schon 1752. Lehrer Wilh. Beerwald (1791-1840) hinterließ eine Schulchronik. 1905 wurde die Schule 3klassig mit 2 Lehrern.

1912 ist das alte Schulhaus entsprechend erweitert worden. Schulleiter während der letzten Jahrzehnte waren: Siegel, Schröder, Swantes.

Die Gemeinde zählt 630 Einwohner und umfaßt 2141,32 ha. 353 ha sind an Polen gefallen.

^nach oben ^

Inhalt

Startseite

Bücher

Texte

Alte Bilder

Urkunden

Links

Kontakt

Werbung


Copyright (c) 2007 - Jacek Bublewicz, www.hiazintus.com
All Rights Reserved
Webmaster: Jacek Bublewicz -
koczala@hiazintus.com