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Dr. Joachim Spors Pater Bruno Spors, SJ (1903 - 1982) Bruno Spors, mein Onkel, wurde am 24. Januar 1903 in Flötenstein-Abbau, Landkreis Schlochau, im damaligen Westpreußen als drittes von acht Kindern der Eheleute Paul und Anna Spors geboren. Sein Vater war Lehrer und Leiter der dortigen paritätischen Volksschule. Bis zu seinem 13. Lebensjahr besuchte er zunächst die Volksschule in Flötenstein-Abbau. Dann ging er nach Pelplin, wo er das bischöfliche Progymnasium besuchte und wo er u. a. auch Polnisch lernte. Dort lebte auch sein Großonkel, der Domherr Albert Spors, der allerdings schon am 1. Dezember 1918 starb. Diese Tatsache sowie die politischen Veränderungen im Zusammenhang mit dem Ende des Ersten Weltkrieges führten dazu, dass Bruno Spors nun das staatliche Gymnasium in Deutsch Krone bis zum Abitur durchlief. Nach dem Abitur entschloss er sich, in den Jesuitenorden einzutreten. Zielvorstellung für ihn war es wohl, sich mit dem Kommunismus auseinander zu setzen und missionarisch tätig zu werden. Sein Noviziat begann am 10. April 1923 in S' Heerenberg/Niederlande. Die weitere gründliche Ausbildung erfolgte in Valkenburg/Niederlande, Krakau und Lublin. Am 21. Juni 1931 wurde er in Lublin zum Priester geweiht. Seine Primiz feierte er in Flötenstein, wo die Familie nach wie vor wohnte und wo sein Onkel, Franz Spors, Pfarrer war. 1932 kam Pater Bruno Spors nach Oppeln, um im zweisprachigen Teil Oberschlesiens als Volksmissionar zu wirken. 1938 erhielt er jedoch von den Nazis Redeverbot für ganz Deutschland wegen einer Predigt über Erziehungsfragen und wegen der Verbreitung der gerade erschienenen Enzyklika "Mit brennender Sorge". So beschränkte er nun seine weitere seelsorgerische Tätigkeit auf Exerzitien und auf Besinnungstage. Im Jahre 1939 wurde er außerdem erster Kuratus der Oppelner Herz-Jesu-Gemeinde. Nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg musste Bruno Spors im September 1945 Oberschlesien verlassen. Er gelangte in die sowjetische Besatzungszone, wo er zunächst in Dömitz/Elbe in der Flüchtlingsseelsorge eingesetzt wurde. Ab Juni 1946 war er von Erfurt aus als Prediger und Vortragsreisender tätig. Ab 1954 lebte er dann im Exerzitienhaus des Jesuitenordens in Berlin-Biesdorf, wo er sich ganz der Vorbereitung und Durchführung religiöser Wochen und Exerzitien widmete. Am 22. Juli 1958 - Bruno Spors gab gerade einen Exerzitienkurs in West-Berlin - wurden in Biesdorf mehrere Mitbrüder von den DDR-Behörden verhaftet und in einem späteren Prozess verurteilt. Eine Rückkehr nach Biesdorf war für ihn daher nicht mehr möglich. Er setzte seine Tätigkeit deshalb nun von West-Berlin aus fort. Er gab jetzt Exerzitienkurse in Westdeutschland, Italien und Dänemark. Schließlich leitete er dann von 1962 - 1970 die katholische Gemeinde von St. Canisius in Berlin-Charlottenburg. Dies war eine schwierige Aufgabe, weil das Kirchengebäude - offenbar wegen eines Konstruktionsfehlers - baufällig geworden war und gründlich renoviert werden musste. Auch galt es in dieser Zeit, die wichtigen Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils in den Gemeinden umzusetzen. Pater Bruno Spors All diese Aufgaben bewältigte Pater Bruno Spors mit Ausdauer und Erfolg. Er war eine beeindruckende Persönlichkeit, robust und dennoch sensibel, freundlich und nicht ohne Humor bzw. Selbstironie, geradlinig und manchmal sicher auch eckig, immer aber ein treuer Diener seines Herrn, ein guter Seelsorger und ein eindrucksvoller Prediger. Auch nach seiner Zuruhesetzung war er ein von seinen Ordensbrüdern und von vielen Menschen geschätzter Beichtvater und Spiritual. Er war bis an sein Lebensende aktiv und vielseitig interessiert. U. a. widmete er sich weiterhin intensiv dem Studium der Bibel. Pater Bruno Spors starb am 3. Mai 1982 in Berlin. Die Predigt beim Requiem hielt sein geistlicher Mitbruder, Pater Hans-Georg Lachmund, SJ. In dieser Predigt sagte Pater Lachmund vor einer großen Gemeinde u.a.: "Der [von Pater Spors energisch und umsichtig vorangetriebene] äußere Wiederaufbau von St. Canisius war nur äußeres Merkmal. Er fiel zusammen mit einer viel tiefergreifenden Entwicklung in der Weltkirche. Die Amtszeit von Pater Spors fiel in die Abschlußphase des 2. Vatikanischen Konzils und in die Jahre, in denen die Konzilsbeschlüsse in das Leben der Gemeinden übersetzt werden mußten. Pater Spors war ein Mann, der gute Voraussetzungen für diese Aufgabe mitbrachte. In seiner eigenen Lebensgeschichte hat er oft genug erfahren, daß er sich auf völlig neue Situationen einstellen mußte, was er auch sehr bewußt getan hat: In seiner frühen Ordenszeit hat er sich auf die Missionsarbeit in Osteuropa vorbereitet. Als diese Pläne sich zerschlugen, arbeitete er als Seelsorger in Schlesien, u. a. schon damals einige Jahre als Pfarrer in der Herz-Jesu-Gemeinde in Oppeln. In den Nachkriegsjahren arbeitete er dann als Prediger und Vortragsreisender im heutigen Gebiet der DDR. Immer wieder mußte er die Erfahrung machen, daß seine Tätigkeit zwar geschätzt und geachtet wurde, daß aber aufgrund politischer Situationen seine Arbeit aufgegeben oder völlig neu konzipiert werden mußte. Es ist bezeichnend für seine Lebensgeschichte, daß er Aufzeichnungen über seine Seelsorgetätigkeiten unter dem Stichwort "Rückzüge" zusammengetragen hat, "Rückzüge" nicht aus Resignation, sondern aus der Erkenntnis: Es gilt, unter ganz anderen Umständen wieder etwas Neues zu beginnen. Und dieses "Neue" hat er auch in der Mitte der 60-iger Jahre in der Leitung der Gemeinde von St. Canisius eingebracht: Die Erneuerung der Liturgie, neue Strukturen in der Gemeindearbeit, das verstärkte Engagement der Laien zunächst im Pfarrausschuß, später im Pfarrgemeinderat. Pater Spors war kein wilder Neuerer, sondern ein Priester, der in seiner nüchternen, sachlichen Art die Möglichkeiten erkannte, die in dem Aufbruchsgeist des Konzils stecken, der aber in seiner weisen Klugheit auch sah, wie viele Menschen in der Kirche sich mit diesen "neumodischen" Gedanken schwer taten. Indem er viel Verständnis für die Zögernden hatte, doch ruhig und fest auf dem Weg der Konzilserneuerung voranschritt, hat er vielen in dieser unruhigen Zeit geholfen..." Der Prediger verwies in seiner Predigt weiter auch darauf, dass Pater Bruno Spors in besonderer Weise die Bedeutung der Bibel erkannt hat und dass er deshalb bis ins hohe Alter ein intensives Bibelstudium betrieb. Dann berichtete er von seinen Reisen "auf den Spuren des heiligen Paulus" und von der Tatsache, dass der Altarraum beim Wiederaufbau der Canisius-Kirche entsprechend den Intentionen des Verstorbenen so gestaltet wurde, dass dort für den Besucher eine aufgeschlagene Bibel aufgelegt werden konnte. Wort und Sakrament sollten einander entsprechen. Schließlich erwähnte er die nach außen hin völlig unbekannte Tatsache, dass Pater Spors als Kuratus von St. Canisius Hunderte von Hausbesuchen durchgeführt hat, um so die Nähe der christlichen Gemeinde in der Anonymität der Großstadt deutlich zu machen. Die Predigt schloß mit den Worten: "Was Pater Spors in mehr als fünfzig Priesterjahren verkündet hat, das wird der Herr über Leben und Tod auch an ihm wahrmachen. Darum halten wir heute Abend zwar Fürbitte für ihn. Noch mehr aber halten wir Eucharistiefeier: Dank dafür, daß Christus seine Kirche leitet, gerade durch solche Hirten wie Pater Bruno Spors." Nach diesem Requiem, an dem ich teilnehmen konnte, kamen völlig unbekannte Menschen auf mich zu, um mir ihre Wertschätzung für den Verstorbenen zu bekunden. Pater Bruno Spors war eine in sich ruhende Persönlichkeit, die Verlässlichkeit, Vertrauen, Gelassenheit, Ruhe und Sicherheit ausstrahlte. Dies war es wohl, was die Menschen an ihm besonders geschätzt haben. ^nach oben ^ |
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